Mittwoch, 20. Juli 2016

Şarköy - Istanbul

Und zum Schluss noch ein letzter Gewaltritt: 210 Kilometer und 2400 Höhenmeter bei gnadenlosem Gegenwind! Istanbul, diese Zicke, hat sich wirklich bitten lassen! 
Eigentlich wollten wir ja nicht täglich über den Gegenwind lamentieren, aber bei durchschnittlich 30 km/h aus Nordost (siehe Windfinder) kann man ihn einfach nicht unerwähnt lassen, weil er schlichtweg grauenhaft ausschlaggebend für Vorwärtskommen und Wohlbefinden ist.
Nach der landschaftlich umwerfend schönen ersten Tageshälfte entlang der Steilküste des Marmarameeres, haben wir die letzten 100 Kilometer nach Istanbul hinein - mit Adrenalin vollgepumpt - versucht, die Konzentration auf höchstmöglichem Niveau zu halten. Das war sowas von dermaßen scheißgefährlich, dass man sich so eine Fahrt höchstens alle 10 Jahre erlauben darf, sofern man ein anständiges Alter erreichen möchte.

Ein erstes Fazit, penibel von Gottlieb aufgezeichnet (und der schenkt einem keinen einzigen Kilo- oder Höhenmeter, darauf könnt ihr Gift nehmen), bringt folgendes, radfahrerisches Ergebnis:
2107 Kilometer und 16250 Höhenmeter in 11,5 Tagen!

Trotz dieser sportlich sehr ansehnlichen Leistung, hatte die Tour durchaus Reisecharakter im besten Sinne und wird noch lange in uns nachwirken.

Friedlicher Vormittag ...

... entlang der wunderschönen Küste des Marmarameeres.

stylisher Radständer

Eine "ruhige" Minute (im vollen Stress kann man ja schlecht fotografieren) während der grenzwertigen Einfahrt in diese riesige Stadt mit ihren vollkommen durchgeknallten Autofahrern.

Şarköy - Silivri:
https://www.komoot.de/tour/t10636540?ref=atd
und
Silivri - Istanbul:
https://www.komoot.de/tour/t10643781?ref=atd

Dienstag, 19. Juli 2016

Alexandroupolis (Griechenland) - Şarköy (Türkei)

Wie geplant brechen wir am Morgen 'gen Osten auf und treten stundenlang stoisch gegen den stürmischen Gegenwind, der uns immer wieder böig aus Nordost trifft und uns teilweise fast von der Straße wirft.
Der Grenzübertritt in die Türkei verläuft problemlos. Es ist einiges an Militär auf der Brücke über den Grenzfluss Mariza versammelt - den Reisepass samt Visum packen wir insgesamt dreimal aus, aber der erste Eindruck der Türkei ist durchaus vertrauenerweckend.
Am frühen Abend werden wir dann auf großzügige Weise von einem urlaubenden Deutschtürken aus Bonn eingeladen, was den Welcome-Effekt vom Vormittag noch verstärkt.
Allerdings folgt später am Abend die erste Ernüchterung. Ein Student aus Istanbul, Onur, erzählt uns von tiefgreifenden Beschneidungen der persönlichen Freiheiten der letzten Jahre und dass er und viele Gleichgesinnte, junge moderne Menschen, das Land verlassen wollen.
Außerdem erleben wir eine Versammlung mit viel lauter, von bedingungsloser Begeisterung getragener Propaganda und noch lauterem, politischen Gebets-Singsang. Beim Abspielen der türkischen Nationalhymne steht der ganze versammelte Platz mit angelegten Armen stramm - sogar der oppositionelle Student scheint keine andere Wahl zu haben - und DAS jagt uns echt einen Gänseschauer über den Rücken.

griechisches Bildstöckchen

Schildkröte lebendig

Schildkröte tot

auf der gespenstisch leeren Bundesstraße vor der türkischen Grenze

Gottlieb, der freche Hund, macht ein Foto auf der Grenzbrücke.

kilometerlange Schotterpiste

Ömer mit seinen beiden Söhnen Femi und Baris

Gruselig!

Alexandroupolis - Şarköy:
https://www.komoot.de/tour/t10608374?ref=atd

Montag, 18. Juli 2016

Porto Lagos - Alexandroupolis

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch: Wir starten recht spät bei leichter Bewölkung und bummeln die fast menschenleere Küste entlang Richtung Osten.
Am Abend zuvor haben wir uns dazu entschieden, doch wieder Istanbul anzupeilen. Die Lage scheint sich soweit stabilisiert zu haben, dass eine Einreise in die Türkei in unseren Augen keine Hirnlosigkeit darstellt.

Beeindruckend, wie die Schäfer ihre Tiere unter Kontrolle haben. Die Hunde beispielsweise reagieren über große Distanz auf die unauffälligsten Kommandos.

Furtenquerung

Wo sind die ganzen Touris?

MTB-mäßig unterwegs, vorbei an antiken Stätten

Hier sieht man schön, warum man mit dem Liegerad bequem und schnell unterwegs sein kann - die Stirnfläche ist eine deutlich geringere als beim normalen Fahrrad.

über Stock und Stein

Porto Lagos - Alexandroupolis:
https://www.komoot.de/tour/t10579678?ref=atd

Sonntag, 17. Juli 2016

Haskovo (Bulgarien) - Porto Lagos (Griechenland)

Mit 155 Kilometern war das seit unserem Start vor gut einer Woche die kürzeste Etappe bisher. Bei 1700 Höhenmeter darf man dabei bei unserer Fortbewegungsweise zwar liegen, aber halt nicht auf der faulen Haut.

Das sagenhaft schöne Tal im Norden des Makaza-Passes, der Südbulgarien und Nordgriechenland verbindet.

in besagtem Tal

Fast hat man das Gefühl, dass die auch schon ein bisschen müde sind.

Sind das wilde Erbsen? Botaniker, bitte bestätigen!

In Porto Lagos, unserem Tagesziel am griechischen Mittelmeer. Die haben anscheinend ein Problem mit der Müllabfuhr. Am Abend war dann allerdings alles aufgeräumt.

Eine Stunde mindestens haben wir unsere armen, geschundenen Körper vom badewannenwarmen Wasser tragen und verwöhnen lassen.

im Hintergrund unser Hotel

Haskovo - Porto Lagos
https://www.komoot.de/tour/t10555570?ref=atd

Samstag, 16. Juli 2016

Gabrovo - Haskovo

Wir sind jetzt in Süd-Bulgarien und müssten morgen - sollte alles gut gehen - um die Mittagszeit die griechische Grenze passieren.
Heute Vormittag sind wir über den höchsten bulgarischen Pass, den Schipkapass, gefahren. Er trennt die Donauebene von Thrakien. Während wir bei der Auffahrt teilweise fast das Gefühl hatten, im heimatlichen Mittelgebirge unterwegs zu sein, ändert sich das Landschaftsbild auf der Südseite schlagartig - es wird deutlich trockener, mediterraner und noch heißer.

Auf dem Schipkapass: zwar nur 1185 m hoch, aber trotzdem eine Attraktion mit historischer Bedeutung.

In der Ebene südlich des Passes - im Hintergrund erkennt man die nächsten, sich ankündigenden Berge Richtung Griechenland.

Die Gefahr der Dehydration darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen!

Gabrovo - Haskovo:
https://www.komoot.de/tour/t10512501?ref=atd

Chaos in der Türkei

Aufgrund des Militärputsches in Istanbul und der unberechenbaren Verhältnisse in der Türkei, werden wir unsere Route wohl oder übel ändern und uns ein neues Ziel in Griechenland suchen müssen.

Von diesem wilden, bulgarischen Gesellen haben wir allerdings nichts zu befürchten - der schwingt seine Heugabel nur, um uns einen Gefallen zu tun und seine Muckis zur Schau zu stellen.

Freitag, 15. Juli 2016

Orjachowo - Gabrowo

Endlich passt der Wind! Ist auch gut so, denn - psst, nicht weitersagen - wir sind ein klitzekleines bisschen müde!
Nachdem wir heute der Donau endgültig Ade gesagt haben, sind wir über eine schier endlos anmutende Reihe von Hügeln (1800 Hm) nach Süden vorgestoßen.
Die bulgarischen Städte, die wir dabei passierten, würden es bei einem Wettbewerb der hässlichsten Orte garantiert ins Finale schaffen und auch sonst gab's im Vergleich zu den letzten Tagen nicht viel zu sehen.

Wind aus Nordwest, juhu!

Was wird da gepumpt?

monotones Streetlife

Die Ausmaße der landwirtschaftlichen Flächen hier sind beeindruckend.

Ein kleiner (österreichischer?) Regenguss/-gruß, das spart kostbare Sonnencreme.

Gabrowo, unser Tagesziel, hat doch noch einen gewissen Charme.

Orjachowo - Gabrowo:
https://www.komoot.de/tour/t10480946?ref=atd

Donnerstag, 14. Juli 2016

Negotin (Serbien) - Orjachowo (Bulgarien)

Das Leben wird härter! Bisher waren sowohl die Verpflegung unterwegs wie auch die Unterkunftssuche traumhaft unproblematisch. Wir mussten praktisch nur stur weitertreten, der Rest hat kaum Energie gekostet. Jetzt wird's schwieriger - die Bulgaren machen generell einen viel reservierteren Eindruck als die Ungarn und die lockeren Serben. Außerdem scheint kein Mensch ein einziges Wort Englisch oder Deutsch zu verstehen und die kyrillische Schrift ist für unsereins sowieso nicht zu entziffern.

Die letzten Eindrücke auf serbischer Seite - schon gestern haben uns den ganzen Tag über einzelne Gräber und kleine Friedhöfe am Straßenrand begleitet.

bulgarisches Bundesstraßenfeeling

Die Donau hat uns wieder!

Tankstopp: 1 Liter Orangensaft pro hundert Kilometer

Heiß, ganz knapp dran am 40er!

Lebhaftes Interesse an unseren hölzernen Gäulen!

Austro-Bulgarische-Sekundenfreundschaft

Pferdefuhrwerke allerorten - für viele Bulgaren ist ein Auto weit jenseits des finanziell Machbaren!

Brandgerodete Felder begleiten uns den ganzen Tag!

Mensch und Vieh erfrischen sich an diesem zauberhaften Plätzchen!

täglicher Plombentest

Negotin - Orjachowo:
https://www.komoot.de/tour/t10462031?ref=atd

Mittwoch, 13. Juli 2016

Belgrad - Negotin

Ein weiterer - sehr langer (ca. 240 Kilometer und 2000 Karpaten-Höhenmeter) - Tag mit unveränderten äußeren Bedingungen (Hitze und Gegenwind), aber voller neuer Impressionen. Wir sind bereits kurz vor der bulgarischen Grenze!

Im tiefen Serbistan (Wortkreation Gottlieb): Die verrosteten Industrieschlote qualmen, vorbeifahrende Busse stoßen Abgaswolken wie Ozeandampfer aus! Vor allem auf dem Land hat man das Gefühl, eine kleine Zeitreise angetreten zu haben.

Das ganze Land voller Melonen, angeboten von Straßenhändlern an jeder Ecke. Wer soll die alle essen?

Wer macht beim Ratespiel mit? Wieviel haben wir bei diesem Einkehrschwung ausgelegt? Kleiner Hinweis: Das war sogar für Serbien saubillig!

Country-Road, take us to Istanbul!

Weder ein großer See noch das Meer, sondern die Donau!

Kohlenmeiler, gibt's bei uns schon lange nicht mehr.

Ein erstaunlich gut funktionierendes Duo, topmotiviert und immer gut gelaunt!

Belgrad - Negotin:
https://www.komoot.de/tour/t10444474?ref=atd